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    Tobias
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    „Ich brauch ein Motogymkhana Bike, was nehme ich da bloß?“

    Die Langweilige, kurze Antwort:
    Honda CBR 600 ab PC25, ab PC31 gibt es Sturzbügel aus dem Stuntbereich, ab PC35 fi haste Europameister Material.

    Die wahnsinnig, super mega interessante lange Antwort:
    Wenn du dir Motogymkhana Videos ansiehst wirst du schnell feststellen, dass oft Bikes gefahren werden die man nicht direkt mit großer Dynamik verbindet z.B. die Kawasaki ZRX 1100/1200. Auch kommen von ähnlichen Motorrädern die einen sehr oft vor, andere jedoch seltener z.B. viele Ninja 650, weniger MT07 und kaum SV650.

    Das liegt daran, dass man beim Motogymkhana hauptsächlich die sonst wenig beachteten Fahreigenschaften unter 50 km/h nutzt.

    Hierfür sind viele Punkte ausschlaggebend. Hier die zwei wichtigsten:
    Das Ansprechverhalten des Motors, bei niedrigen Drehzahlen.
    Hier kann man grob sagen je kleiner die Einzel- Hubräume des Motors sind umso besser. Beispiel ein 600ccm Einzylinder wird sehr schwierig zu fahren sein, ein 600ccm Vierzylinder dagegen super. Heißt im Umkehrschluss, je weniger Hubraum man hat umso weniger Zylinder braucht man.
    Was man natürlich auch braucht ist verwertbare Power im Drehzahlkeller. Daher sieht man z.B. die Honda CBR 600 häufiger als die Yamaha R6.

    Das Fahrwerk:
    Natürlich ist das Gewicht eines Motorrads wichtig, aber im Stand wird ein 130 Kilo Motorrad genauso schnell umfallen wie Eins mit 310 Kilo. Es kommt z.B. ebenso darauf an ob der Schwerpunkt günstig liegt (ein Grund für die vielen ZRX).
    Auch darf die Geometrie des Motorrads nicht zu lahm aber auch nicht zu extrem sein. Man fährt sehr enge Kurven mit weit eingeschlagener und eingetauchter Gabel. Ist der Lenkkopfwinkel/Nachlauf des Motorrad nun im Stand schon sehr klein (wie z.B. bei Buells) wird das beim MGK fahren viel zu instabil (du bekommst ein negativen Nachlauf).

    Was gilt es noch zu beachten:
    Man stehst beim MGK andauernd auf der Hinterradbremse. Bremssättel unter der Schwinge überhitzen schneller als solch die oben sind.

    Man hat kaum Fahrtwind. Daher ist ein wassergekühlter Motor, bei dem man einfach den Lüfter auf Dauerbetrieb um basteln kann entspannter.

    Wo bekommt man einen anständigen Sturzschutz her? Wenn es für das Motorrad etwas im Stunt Zubehör gibt wird es direkt viel leichter (das normale Zeug taugt oft nix).

    Beim MGK fährt man mit enorm erhöhtem Standgas (3500U/min sind eher Standard als Ausnahme). Bei vielen modernen Einspritzern lässt sich das aber nicht einfach per Stellschraube einstellen. Muss erst aufwendig programmiert werden, können schon mal mehr als 500 € fällig sein (z.B. bei KTMs).

    Reifen, ein wunderbares Thema. Gutes Zeug (beim Motogymkhana sind Vorderradreifen erstmal wichtiger) bekommt man eigentlich nur in 110/70 17 und 120/70 17. Ab einem gewissen Niveau braut man aber so 4 bis 6 Vorderradreifen pro Jahr und hinten sind es auch nicht viel weniger (je nach Motorleistung). Leider ist man an diesem Punkt ist man schneller als einem lieb ist und je nach Trainings Frequenz sind es am Anfang auch schon 2 oder 3 Reifen pro Jahr. In 120/70 17 bekommt man sehr gut gebrauchte Reifen, aber Neureifen in 110/70 17 sind oft günstiger.

    Über eher kurz als lang wird man eine Möglichkeit brauchen das Motorrad zu transportieren. Es macht wenig Spaß/Sinn (aua du/ aua Bike= Rückweg?) auf eigener Achse zu weiter entfernten Veranstaltungen zu fahren. Ne Honda Grom bekommt man zur Not noch in den Kofferraum, eine 1000er nicht!?!

    Als Ergebnis dieser, bestimmt unvollständigen, Liste läuft der MGK Einstieg häufig so ab:
    1.: Anfang mit dem was man hat (fällt aus wenn das Vorhandene viiieeelll zu schade ist)
    2.: Billiges MGK Bike kaufen (fällt aus wenn man direkt was Gutes kauft. Aber direkt in die Vollen gehen, obwohl man nicht weiß ob man dabei bleibt?)
    3.: Nach ein/zwei Jahren wieder Geld in die Hand nehmen und ein gutes MGK Bike kaufen.

    Hier sollte man vorher gut überlegen und eine Entscheidung anhand der eigenen Möglichkeiten/ Bedürfnisse treffen.

    Hier nun ein paar Vorschläge was funktioniert/ funktionieren könnte (Faustformel Kaufpreis+ 500 €= MGK fertig (Preise ca. MGK fertig)):

    Preis (weit) unter 1000 €:
    Piaggio Zip 50 sp viele Rennteile
    Piaggio THP/SKR Teile ohne Ende
    Viele 125ccm Motorräder (alte CBR 125 schon probiert=top)

    Bis 1000 €:
    Suzuki Bandit 600 viele, preiswert Teile aber schwer
    Honda CB1 400 recht viel Potenzial aber selten und alt
    Suzuki GS 500 wenig Potenzial
    Honda CB 500 Reifen Auswahl schlecht (bzw. Nicht legale)

    Bis 1500 €:
    CBR 600 PC25 bewehrt, SB Umbau nötig
    CBR 600 PC31 bewehrt, gibt Stunt Teile, SB Umbau nötig, eher etwas über 1500 €
    Suzuki SV 650 (1. Gen) leicht aber etwas ruppig.

    Bis 2000 €:
    Honda Hornet 600 bewehrt, leicht, Sturzschutz nicht einfach.
    Honda CBR 600 PC 35 Vergaser Vers. tolles Fahrwerk, viel Potenzial, eher etwas über 2000 €

    Bis 2500 €:

    Honda CBR600 PC35 Fi Potenzial reicht zum Europameister werden, eher etwas über 2500 €

    Man kann natürlich auch (viel) mehr ausgeben, da sprengt die Auswahl aber den Rahmen.

    Was gibt es noch?
    Im Prinzip ist eine Einspritzung von Vorteil. Ihr Ansprechverhalten ist direkter und man kann sie Drehmoment freundlich umprogrammieren. Wenn man aber zwischen Einspritzung oder einem guten Vergaserbike + Reifen und Reisekosten zu mehreren Veranstaltungen wählen muss, sollte man aber vielleicht letzteres bevorzugen.

    Bei dem SMs ist die DRZ 400 top, aber teuer.

    Die zwei in Japan sehr verbreiteten Bikes VTR250 und NSR250 gab es in Deutschland nie, sind also eher teuer beim Kauf und Unterhalt (bzw. kosten Nerven).

    Motorräder mit Kadern und/ oder längslaufender Kurbelwelle gehen irgendwie auch. Die Lastwechselreaktionen, das Kippmoment und die nicht zu ändernde Übersetzung machen einem aber das Leben sehr schwer.

    Da man im Prinzip mit allem fahren kann was einen Motor hat, wird der Sport in Japan auch von Fans bestimmter Motorrad Modelle genutzt (z.B. Kawasaki GPZ 900, W 650).

    E Bikes finden langsam den Weg zum Motogymkhana und sind hoch willkommen!!!

    Und noch das Wort zum Sonntag:
    Es mag übertrieben klingen, aber mit einem Motogymkhana Bike steigst man in den Motorsport (Niveau egal) ein. Dinge wie Preise/Verfügbarkeit von Ersatzteilen und vorhandene Erfahrungswerte zum jeweiligen Modell bekommen da eine ganz andere Bedeutung!!! „Wenn bei einer Veranstaltung 10 CBR 600 inkl. der eigenen mitfahren wird man das benötigt Ersatzteil schon irgendwo am Platz kriegen“.

    Viel Spaß

    Tobi

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